Predigt zum 23. Sonntag im Jahreskreis A –
St Sebastian 2026
Lesung: Ez 33, 7-9
Evangelium: Mt 18, 15-20
„Wächter und Bewachte“
Liebe Schwestern und Brüder!
„Die Wächter“
So heißt ein Song der Sportsfreunde Stiller aus dem Jahr 2022. Darin heißt es:
„Der Geist sitzt im Herzen.
Doch da guckt man nicht rein.
Man guckt nur aufs Haus,
und auf den bis zur Verzerrung verzierten Schein.
Doch darin spuckt es. Wer hätte das gedacht?
Vom finstern Tag bis zur dunkelsten Nacht.
Wire geben auf dich acht.
Kein Herz bleibt für immer schwarz.
Nichtmal deins.
Wir begleiten dich von Nacht zu Tag.
Aber gehen musst du selbst.
Wir stellen einen Wächter .
Immer Richtung Licht.
Wir stellen einen Wächter
Allein bist du nicht.
Dein Weg nach draußen ist völlig blockiert
Dein Kopf spielt verrückt
Dein Bauch rebelliert.
Flaschen voll Zigarretten
Neben leeren Verpackungen von Schmerztabletten.
Deine schmutzigen Klamotten.
Zwischen Essensresten und Fastfood Ketten.
Doch: Kein Herz bleibt für immer schwarz, nicht mal deins. Wir stellen einen Wächter immer Richtung Licht. Wir stellen einen Wächter. Allein bist du nicht.“
Der Song hat mich beeindruckt und berührt. Er ist ein emotionaler Mutmachsong. Der Sänger Florian Weber hat ihn geschrieben, nachdem er von den schweren Depressionen eines befreundeten Musikkollegen erfahren hat, von denen die Band bislang nichts gewusst hat.
Der symbolische Wächter im Song steht für den Beistand und die unsichtbare Unterstützung durch Freunde, die ein Auge auf den Betroffenen haben.
„Wir geben Acht auf dich!“, auch wenn schwere Wege aus der Krise letztlich „allein gegangen“ und bewältigt werden müssen.
Der Song führt mich gedanklich zur heutigen Lesung aus dem Prophetenbuch Ezechiel. Der Prophet wird beauftragt für sein Volk ein guter Wächter zu sein. Er soll von der Lesung her auf Gottes Wort hören und darauf achten, dass das Volk nach Gottes Willen lebt, damit es nicht wieder auf Abwege kommt und in eine Katastrophe hinein gerät. Zu seiner Aufgabe gehört auch, die Menschen aus guter Absicht heraus zu warnen, damit kein Unheil über sie kommt. Er macht sich strafbar, wenn er dieser Aufgabe nicht nachkommt und es „laufen“ lässt. Der Wächter braucht also einen sensiblen inneren Sensor, der die Gefahr erkennt, der Mut macht, sie zu benennen und sie abzuwenden. Dieser sensible Sensor kommt auch im Lied der Sportsfreunde Stiller vor: „Der Wächter steht in Richtung Licht!“
Auch in unserer Zeit braucht es Wächter, wie bei den Sportsfreunden Stiller und wie den Ezechiel. Es braucht heute Menschen mit sensiblen inneren Sensoren, die merken, wenn Gefahr im Verzug ist und die wach reagieren und es nicht laufen lassen.
Wo begegnen wir in unserem Stadtviertel, in unserem Pfarrverband, in unserem Leben solchen Wächtern?
Wo konnten oder wo können wir selbst zu solchen Wächtern im Sinn der Lesung werden?
Sie begegnen uns etwa bei der Feuerwehr.
Sie begegnen uns in der Nachtschwester und im Notarzt im Krankenhaus, der über den Patienten wacht.
Sie begegnen uns in einem aufmerksamen Mitbruder, oder Kollegen, der merkt, wenn ein anderer Pfarrer oder eine Kollegin unbemerkt in ein Alkoholproblem oder eine andere Abhängigkeit abrutscht, weil er oder sie vereinsamt ist.
Die Wächter begegnen uns in jungen Menschen, die in unserer Kirche und Gesellschaft mahnend auftreten und vor wachsendem Populismus, vor den Auswirkungen des Klimawandels und anderen Problemen warnen.
In der Pfarrei begegnen wir dem Wächter in unseren „Mesnern“. Das Wort „Mesner“ kommt vom lateinischen Ausdruck „Custos“, was wir mit Wächter übersetzen können. Er ist Wächter über die Kirche, die Gebäude, die Einrichtungen. Das alles in Ordnung ist.
Die Wächter begegnen uns in einer aufmerksamen Lehrerin, die merkt, wenn es bei einem Schüler von den Noten her oder sonst „brennt“ und sie ruft die Eltern zu sich, um Schlimmeres zu verhindern.
Liebe Schwestern und Brüder!
Wir dürfen dankbar und froh sein über viele Wächter auf dem Weg unseres Lebens und unseres Glaubens.
Wir dürfen trotz mancher Gefahr auf dem Weg zuversichtlich weitergehen, weil wir von Gott selber her erfahren, mit den Sportsfreunden Stiller etwas abgewandelt gesprochen:Ich „stelle einen Wächter immer Richtung Licht.
Alleine bist Du nicht.
Ich stelle einen Wächter.
Alleine bist Du nicht.“ Amen
(Pfarradministrator Andreas Krehbiel; es gilt das gesprochene Wort!)
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